Hunderasse des Tages: Epagneul de Saint-Usuge

Herkunft und Geschichte
Der Epagneul de Saint-Usuge ist eine der traditionsreichsten, aber auch seltensten französischen Vorstehhunderassen. Seine Ursprünge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, als in der Region Bresse, zwischen Jura und Burgund, kleine, wendige und ausdauernde Jagdhunde gezüchtet wurden, die sich durch ihre Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit auszeichneten. Bereits auf Wandteppichen aus dem 16. Jahrhundert sind Hunde vom Typ des Saint-Usuge zu sehen, und 1838 wurde die Rasse erstmals in einer Jagdzeitung schriftlich erwähnt. Über viele Generationen hinweg diente der Epagneul de Saint-Usuge den Jägern der Region als zuverlässiger Helfer bei der Jagd auf Feder- und Niederwild, insbesondere auf Schnepfen und Wasservögel. Im 20. Jahrhundert geriet die Rasse durch die Wirren der Weltkriege und den Siegeszug britischer Vorstehhunde fast in Vergessenheit und war nach dem Zweiten Weltkrieg nahezu ausgestorben. Der Wiederaufbau der Rasse ist untrennbar mit dem Namen des Geistlichen Abbé Robert Billard verbunden, der in den 1940er Jahren mit der Hündin „Poupette“ und wenigen verbliebenen Exemplaren eine systematische Zucht begann. 1978 übergab Billard sein Lebenswerk an den Förster Serge Bey, der die Zucht weiterführte und 1990 den Club Epagneul de Saint-Usuge gründete. 1991 wurde der Rassestandard festgelegt und seit 2003 ist die Rasse in Frankreich national anerkannt. Die FCI-Anerkennung steht noch aus, aber die Rasse erfreut sich wachsender Beliebtheit unter Jägern, die einen kleinen, robusten und vielseitigen Vorstehhund suchen. In Deutschland ist der Epagneul de Saint-Usuge erst seit Mitte der 1990er Jahre vertreten und bleibt eine Rarität. Die Geschichte des Epagneul de Saint-Usuge steht für die Widerstandskraft regionaler Landrassen und die Bedeutung engagierter Züchter, die mit Leidenschaft und Ausdauer das Überleben einer fast verlorenen Hunderasse sichern konnten.
Aussehen und Charakter
Der Epagneul de Saint-Usuge ist ein kleiner bis mittelgroßer, eleganter und harmonisch gebauter Vorstehhund mit einem freundlichen, sanften Ausdruck. Rüden erreichen eine Schulterhöhe von 45 bis 53 Zentimetern, Hündinnen sind etwas kleiner. Das Gewicht variiert zwischen 13 und 23 Kilogramm. Das Fell ist mittellang, leicht gewellt, am Kopf kürzer und an den Läufen und der Rute befedert. Die Fellfarbe ist stets zweifarbig: ein weißer Grund mit braun gesprenkeltem Fell, das sich zu Platten formen kann. Typisch sind weiße Abzeichen am Kopf und an der Rutenspitze. Die Rute ist lang, kräftig und leicht gekrümmt, mit einer üppigen Fahne. Der Kopf ist fein geformt, mit sanftem Stop, dunklen, mandelförmigen Augen und langen, tief angesetzten, befederten Hängeohren. Der Körperbau ist kompakt, muskulös und dennoch elegant, mit geradem Rücken, tiefer Brust und kräftigen Gliedmaßen. Charakterlich ist der Epagneul de Saint-Usuge ausgesprochen freundlich, sanft, ausgeglichen und anhänglich. Er ist sehr führerbezogen, lernwillig und sensibel, reagiert auf eine feste Stimme und benötigt eine einfühlsame, aber konsequente Erziehung. Seine hohe Intelligenz, Arbeitsfreude und sein ausgeprägter Spürsinn machen ihn zu einem vielseitigen Jagdhund, der sowohl im Feld, am Wasser als auch im Wald eingesetzt werden kann. Im Familienleben zeigt er sich anhänglich, kinderlieb und sozial, ist aber kein reiner Begleithund – er braucht Beschäftigung und Aufgaben. Sein freundliches, ausgeglichenes Wesen und seine Anpassungsfähigkeit machen ihn zu einem angenehmen Begleiter, der sich gut in Familien integriert, sofern er ausreichend gefordert wird.